Unerwünschte Bürger

Kalt ist es in diesen Tagen in Wuppertal. Ein Phänomen, dem man entfliehen kann, wenn man nicht gerade obdachlos ist. In Wuppertal gibt es keine Obdachlosen, jedenfalls will man von Seiten der Stadt offiziell nichts davon wissen. Deswegen führt man gar nicht erst Statistiken darüber. So sitzen nachts an den Bahnhöfen also Phantome. Auch die Matratzenlager unter Wupperbrücken, die man bei der Schwebebahnfahrt durch das Tal besichtigen kann, müssen also pure Phantasie sein. Reichlich perverse Phantasien, denn während in der Diskothek im Barmer Bahnhof gefeiert und getrunken wird, frieren sich in der Bahnhofshalle Obdachlose den allerwertesten ab. Ehemalige Stellwerke der Bahn dienen ebenfalls als Nachtlager, die bei Morgengrauen eilig verlassen werden, bevor die Polizei eintrifft. Denn es ist alltägliche Routine, dass die Polizei die Obdachlosen aus Bahnhöfen und von öffentlichen Plätzen vertreibt, bevor sich Pendler erbarmen können und etwas spenden. Ob es bettelnde Obdachlose im Oberbarmer Bahnhof im Berufsverkehr sind, oder eben genannte Matratzenlager, Obdachlose müssen stets damit rechnen, aus der Öffentlichkeit verbannt zu werden, wenn sie entdeckt werden. Da das Interesse der Bürger gleich null ist und die unerwünschten Mitbürger keine Lobby haben, geht das ganze geräuschlos vonstatten. So fällt es offenbar auch niemanden auf, dass die Stadt sogar mit baulichen Maßnahmen gegen Obdachlose vorgeht. In der Barmer Innenstadt wurden Sitzbänke installiert, bei denen auf der Sitzfläche Metallspitzen herausragen, damit man dort nicht mehr liegen kann. Festgehalten hat dies ein twitter-User mit seiner Kamera: Foto. Da sorgt man sich, wie die Stadt demnächst erst im und vor dem Prestigeobjekt Hautbahnhof reagieren wird. Die Stadt bekämpft nicht die Obdachlosigkeit, sondern die Obdachlosen.

 

Wer sich nun fragt, wie es dazu kommen kann, dass in so einem reichen Land, in einer Stadt mit relativ vielen bezahlbaren Wohnungen, so viele Menschen obdachlos sein können, der sollte im Stadtrat bei den Volksparteien mal fragen, was mit voll sanktionierten arbeitslosen Menschen geschieht, vor allem den unter 25-jährigen, die nicht mehr im Elternhaus wohnen können; was mit Menschen geschieht, die als EU-Ausländer noch keine 5 Jahre in Deutschland leben und arbeitslos sind…

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